Bing Ads: Das unterschätzte Potenzial von Microsoft Advertising
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Google Ads 8 Min. LesezeitTommy Wilga

Bing Ads: Das unterschätzte Potenzial von Microsoft Advertising

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Bing Ads: Das unterschätzte Potenzial von Microsoft Advertising

Viele Unternehmen investieren ihr komplettes Suchmaschinen-Budget in Google Ads – und das ist nachvollziehbar. Google ist im Alltag der dominierende Kanal. Genau deshalb wird Microsoft Advertising, früher als Bing Ads bekannt, häufig übersehen. Für kleine und mittlere Unternehmen ist das ein Fehler.

Denn: Wer nur auf Google setzt, lässt oft Reichweite, Anfragen und effizientere Klickpreise liegen. Vor allem in Märkten mit hohem Wettbewerb kann Microsoft Advertising ein sinnvoller Hebel sein, um zusätzliche Leads zu gewinnen, ohne den CPC unnötig nach oben zu treiben.

In diesem Artikel zeige ich, wann sich Bing Ads bzw. Microsoft Advertising lohnt, welche Vorteile realistisch sind und wie Unternehmer den Kanal sauber testen, statt einfach „noch eine Plattform“ nebenbei laufen zu lassen.

Was ist Bing Ads heute eigentlich?

Der Begriff Bing Ads ist noch weit verbreitet, offiziell heißt die Plattform inzwischen Microsoft Advertising. Gemeint ist das Werbesystem, mit dem Anzeigen in Microsofts Suchmaschinen-Umfeld geschaltet werden – vor allem auf Bing, aber je nach Kampagneneinstellung auch im Microsoft-Netzwerk und bei Partnern.

Wichtig ist: Microsoft Advertising ist nicht einfach nur „Google Ads in kleiner“. Die Nutzerstruktur ist teilweise anders, der Wettbewerb oft niedriger und die Platzierung im Microsoft-Ökosystem kann interessant sein – etwa über Windows, Edge, Outlook oder andere Microsoft-nahe Nutzungssituationen.

Gerade Unternehmer, die bisher nur Google Ads kennen, unterschätzen diesen Unterschied.

Warum Microsoft Advertising für KMU interessant ist

Günstigere Klickpreise durch weniger Wettbewerb

Der stärkste praktische Vorteil von Microsoft Advertising sind in vielen Branchen die günstigeren Klickpreise. Der Grund ist simpel: Auf Google bieten fast alle. Auf Bing deutlich weniger.

Das führt in vielen Konten zu einem niedrigeren CPC. Aus Agentur- und Audit-Praxis sieht man häufig:

  • 10 bis 35 % niedrigere CPCs im Vergleich zu Google Ads
  • in manchen Nischen sogar noch größere Unterschiede
  • besonders spürbar bei regionalen Dienstleistungen und B2B-Keywords

Das ist kein Naturgesetz. Es gibt Branchen, in denen die Unterschiede klein sind. Aber gerade für KMU mit begrenztem Budget ist jeder Klickpreis-Vorteil relevant. Wenn ein Lead auf Google 18 Euro kostet und über Microsoft Advertising 12 bis 14 Euro, dann ist das kein Nebeneffekt, sondern ein strategischer Vorteil.

Relevante Zielgruppen statt nur zusätzlicher Reichweite

Viele denken bei Bing zuerst: „Da sucht doch kaum jemand.“ Das greift zu kurz.

Ja, Google ist größer. Aber Reichweite allein ist nicht die entscheidende Kennzahl. Entscheidend ist, wer sucht und mit welcher Absicht. Microsoft-Nutzer sind in vielen Konten überdurchschnittlich stark in Bereichen wie:

  • B2B und professionelle Dienstleistungen
  • Desktop-Nutzung im Büro
  • ältere, kaufkräftige Zielgruppen
  • Nutzer mit klarer Suchintention statt reiner Recherche

Gerade bei erklärungsbedürftigen Angeboten – zum Beispiel IT-Dienstleistungen, Steuerberatung, Maschinenbau, Coaching, Rechtsberatung oder regionale Handwerksleistungen – kann das gut funktionieren.

Einfacher Einstieg über den Import aus Google Ads

Ein weiterer Pluspunkt: Wer bereits Google Ads nutzt, muss nicht bei null starten.

Kampagnen lassen sich in Microsoft Advertising in vielen Fällen importieren. Das spart Zeit bei:

  • Kampagnenstruktur n- Anzeigentexten
  • Keywords
  • Erweiterungen
  • Gebotslogiken

Wichtig ist aber: Ein Import ersetzt keine Optimierung. Microsoft Advertising sollte nicht einfach blind mit denselben Einstellungen laufen. Suchbegriffe, Geräteverteilung, Zielgruppen und Budgets verhalten sich oft anders.

Für welche Unternehmen lohnt sich Bing Ads besonders?

Nicht jedes Unternehmen braucht Microsoft Advertising sofort. Aber für bestimmte Geschäftsmodelle ist das Potenzial überdurchschnittlich hoch.

1. Regionale Dienstleister

Wenn Sie lokal Kunden gewinnen – etwa als Zahnarzt, Küchenstudio, SHK-Betrieb, Anwalt, Makler oder Autohaus – kann ein zusätzlicher Suchmaschinen-Kanal sinnvoll sein. Gerade in Städten mit teurem Google-Traffic schaffen günstigere Klickpreise mehr Spielraum.

2. B2B-Unternehmen

B2B ist oft ein guter Fit für Bing Ads. Viele Entscheider recherchieren am Desktop, häufig im Microsoft-Umfeld. Die Suchanfragen sind oft konkreter, und die Konkurrenz ist im Vergleich zu Google geringer.

3. Unternehmen mit hohem Warenkorb oder hoher Marge

Wenn ein neuer Kunde für Sie mehrere hundert oder mehrere tausend Euro wert ist, lohnt sich ein zusätzlicher Kanal fast immer eher als bei sehr kleinteiligen Produkten.

4. Unternehmen mit bestehenden Google-Ads-Kampagnen

Wer bei Google bereits weiß, welche Keywords und Anzeigen funktionieren, kann Microsoft Advertising sehr effizient testen. Sie starten dann nicht mit Vermutungen, sondern mit belastbaren Daten.

So starten Sie Microsoft Advertising sinnvoll

1. Nicht alles importieren – sondern priorisieren

Der häufigste Fehler: Alle Google-Kampagnen werden 1:1 importiert, ohne Prüfung.

Besser ist dieser Weg:

  • Starten Sie mit den Top-20 bis Top-50 Keywords, die auf Google bereits Anfragen oder Verkäufe bringen.
  • Priorisieren Sie Suchkampagnen mit klarer Kaufabsicht.
  • Lassen Sie Display- oder experimentelle Kampagnen zunächst außen vor.

So sehen Sie schneller, ob Microsoft Advertising in Ihrem Markt wirtschaftlich funktioniert.

2. Suchbegriffe und Match Types sauber kontrollieren

Die Plattformen wirken ähnlich, liefern aber nicht immer identische Suchanfragen aus. Deshalb sollten Sie in den ersten Wochen besonders genau auf den Suchbegriffbericht schauen.

Worauf es ankommt:

  • irrelevante Suchanfragen früh ausschließen
  • negative Keywords aktiv pflegen
  • Broad Match nur kontrolliert einsetzen
  • Exact und Phrase für den Start stärker gewichten

Gerade mit kleinerem Budget entscheidet diese Disziplin über die Profitabilität.

3. Budgets realistisch ansetzen

Microsoft Advertising braucht meist keine riesigen Testbudgets. Für viele KMU reicht zum Start ein kontrollierter Test.

Ein praktikabler Einstieg ist oft:

  • 10 bis 20 % des bestehenden Google-Ads-Suchbudgets
  • oder ein fester Testbetrag für 6 bis 8 Wochen

Wichtig ist, dass genug Daten entstehen. Mit 5 Euro am Tag über zwei Wochen lässt sich kaum belastbar beurteilen, ob der Kanal funktioniert.

4. Gebotsstrategie nicht blind übernehmen

Automatisierte Gebotsstrategien können gut funktionieren, aber nicht jede Google-Logik lässt sich direkt übertragen. Wenn nur wenige Conversions vorliegen, ist ein zu früher Wechsel in vollautomatische Strategien oft kontraproduktiv.

Praxistipp:

  • zu Beginn mit manueller Kontrolle oder vorsichtigem Enhanced CPC arbeiten
  • erst bei ausreichender Datenbasis auf Ziel-CPA oder ähnliche Automatisierung wechseln
  • Conversion-Ziele vorher prüfen

5. Tracking zuerst, Skalierung danach

Ohne sauberes Tracking ist jede Aussage zu CPC, Leadpreis und Profitabilität wertlos.

Mindestens sauber erfasst sein sollten:

  • Formularanfragen
  • Telefonklicks bzw. Anrufe
  • Käufe oder Angebotsanfragen
  • gegebenenfalls Import von Offline-Conversions aus CRM oder Vertrieb

Gerade bei KMU ist das entscheidend. Nicht jeder Klick mit niedrigen Kosten ist automatisch wertvoll. Ein günstiger CPC hilft nur, wenn am Ende echte Anfragen oder Umsätze entstehen.

Typische Fehler bei Bing Ads

Kampagnen einfach „mitlaufen“ lassen

Microsoft Advertising ist kein Selbstläufer. Wer Kampagnen einmal importiert und dann monatelang nicht anschaut, verschenkt Potenzial.

Google-Daten eins zu eins erwarten

Die Plattform ist ähnlich, aber nicht identisch. Andere Nutzer, andere Suchsituationen, andere Verteilung nach Gerät und Uhrzeit – das wirkt sich auf Leistung und Conversion Rate aus.

Zu früh urteilen

Ein Test nach sieben Tagen ist selten aussagekräftig. Gerade bei kleineren Konten braucht es genug Klicks und Conversions, bevor man den Kanal fair bewerten kann.

Nur auf den Klickpreis schauen

Ja, günstigere Klickpreise sind attraktiv. Aber die wichtigste Kennzahl bleibt der wirtschaftliche Ertrag. Ein niedriger CPC ist gut – ein niedriger Cost-per-Lead oder Cost-per-Sale ist besser.

Realistische Benchmarks für Microsoft Advertising

Die genauen Werte hängen stark von Branche, Region, Angebot und Tracking-Qualität ab. Trotzdem gibt es ein paar Orientierungspunkte aus der Praxis.

| Kennzahl | Häufige Tendenz im Vergleich zu Google Ads | |---|---| | CPC | oft 10–35 % niedriger | | Klickvolumen | meist deutlich geringer | | Conversion Rate | ähnlich oder leicht besser bei B2B/Desktop-lastigen Konten | | Wettbewerb | häufig niedriger | | Testaufwand | relativ gering bei bestehendem Google-Setup |

Was diese Zahlen in der Praxis bedeuten:

  • Microsoft Advertising ersetzt Google selten komplett.
  • Es kann aber ein effizienter Zusatzkanal sein.
  • Besonders interessant ist es, wenn Google Ads bereits gut läuft, aber teuer geworden ist.

Ein Beispiel aus der Praxislogik: Wenn Sie auf Google für ein Keyword 6,50 Euro CPC zahlen und auf Microsoft 4,20 Euro, ist das noch kein Erfolg. Wenn daraus aber bei ähnlicher Conversion Rate ebenfalls qualifizierte Leads entstehen, verbessert sich Ihr Gesamtergebnis oft spürbar.

Wann sich Microsoft Advertising eher nicht lohnt

So klar muss man auch sein: Nicht jedes Unternehmen braucht Bing Ads.

Schwieriger wird es häufig bei:

  • extrem jungem, mobilem Konsumpublikum
  • sehr kleinen Suchvolumina in engen Nischen
  • Produkten mit rein impulsgetriebenem Kaufverhalten
  • schlecht gepflegten Google-Ads-Konten, die noch keine stabile Basis haben

Wenn Google Ads schon chaotisch läuft, sollte zuerst dort Ordnung geschaffen werden. Microsoft Advertising ist keine Lösung für strukturelle Probleme im Performance Marketing.

Fazit: Bing Ads ist kein Ersatz, aber oft ein starker Ergänzungskanal

Bing Ads bzw. Microsoft Advertising wird von vielen Unternehmen zu Unrecht ignoriert. Der Kanal ist kleiner als Google, aber genau das ist oft der Vorteil: weniger Wettbewerb, häufig günstigere Klickpreise, solide Zielgruppen und ein überschaubarer Testaufwand.

Für KMU gilt: Wenn Sie bereits in Suchmaschinen investieren und Ihr Google-Traffic teuer ist, sollten Sie Microsoft Advertising nicht aus Prinzip ausschließen. Ein sauber aufgesetzter Test mit klarem Tracking reicht oft aus, um schnell zu sehen, ob der zusätzliche Kanal wirtschaftlich Sinn ergibt.

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